Jugendliche landen schnell in der Schuldenfalle
20.10.2011 - Jugendliche landen schnell in der SchuldenfalleStern TV ist bekannt dafür, nicht nur Fakten zu nennen, sondern auch die Probe aufs Exempel zu machen. Für das Thema „Schuldenfalle“, von dem zunehmend junge Menschen betroffen sind, hat das Fernseh-Magazin eine Betroffene porträtiert und einen Lockvogel losgeschickt, um zu testen, ob trotz eher geringen Budgets problemlos auf Pump eingekauft werden kann. Das Ergebnis spiegelt die Erfahrungen wider, die auch die Verbraucherzentralen Tag für Tag machen: Jugendliche und junge Erwachsene rutschen ganz schnell ins Minus, weil es ihnen einerseits zu leicht gemacht wird und sie zum anderen nicht gelernt haben, mit Geld umzugehen.
Der Dispositionskredit als erster Schritt in die Überschuldung
Bereits in der Schuldenfalle gelandet ist die 20-jährige Sabrina, deren Geschichte von Stern TV aufgegriffen wurde. Sie schuldet 13 Gläubigern 6.000 Euro. Begonnen hatte alles mit dem Dispositionskredit der Bank, der ihr mit Beginn der Ausbildung eingeräumt wurde. Erst als kein Geld mehr aus dem Automaten kam, erkannte die junge Frau, dass sie schon mit 1.000 Euro in der Kreide steht. Sie reagierte nicht. Stattdessen begann sie, auf Pump zu leben und Ratenzahlungen zu vereinbaren, bis irgendwann der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand. Sabrina will die Schulden jetzt abstottern. Wie ihr geht es, so Frank Lackmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, jedem zehnten Jugendlichen.
Kredite und Ratenkauf als Verlockung
Dazu trägt auch die Geschäftspraxis vieler Unternehmen bei. Sie buhlen um junge Kunden und führen mit Null-Prozent-Finanzierungen in Versuchung. Mithilfe der 23-jährigen Peggy, Nettolohn 900 Euro, haben die Verbraucherzentrale und Stern TV getestet, wie schnell die Unternehmen mit Verträgen bei der Hand sind. Obwohl der Friseurin nur 370 Euro zum Leben bleiben, erhielt sie binnen weniger Stunden ein Notebook, das sie über zwölf Monate abbezahlen muss, einen Flachbildfernseher, ebenfalls auf Pump, einen Handyvertrag und eine Mitgliedschaft im Fitnessclub. Unter dem Strich stünde sie jetzt jeden Monat mit 75 Euro in den Miesen. Obwohl Peggy immer wieder auf ihr schmales Einkommen hinwies, gab es nirgendwo Probleme. „Wie viel sie verdient oder ob sie sich den Kredit leisten kann, interessiert niemanden“, so das Fazit.
Finanzen im Blick: Haushaltsbuch führen
Da sollte es nicht verwundern, dass über drei Millionen Bundesbürger überschuldet sind und im vergangenen Jahr 106.000 Privatinsolvenzen angemeldet wurden. Um gar nicht erst in die Verlegenheit zu kommen, sollte genau überlegt werden, ob ein neuer Fernseher oder ein neuer Handyvertrag überhaupt nötig ist. Angesichts der Verlockung werden die Folgekosten allzu schnell übersehen. Die Verbraucherzentrale rät daher, auch das Kleingedruckte zu lesen und sich über die genauen Konditionen zu informieren. Ebenso wichtig: Die Ausgaben kontrollieren – idealerweise über ein Haushaltsbuch. Nur so hat man einen Überblick zu den Finanzen. Wenn es schon zu spät ist, gilt es, sich an eine seriöse Schuldnerberatung zu wenden und nach einer Lösung zu suchen, statt gar nichts zu unternehmen.